Jondonym (der Name setzt sich aus den Begriffen Anonym und John Doe zusammen) ist der neue Nachfolger von JAP (Java Anonymity Proxy). Jap war vor Tor eines der gängigen Programme, mit denen man im Internet anonym surfen konnte.

Gefördert wurde das Projekt vom unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. JAP’s Ende begann damit, dass die Betreiber gezwungen wurden Daten an die Polizein weiterzugeben. Zwar wurden zur Anonymisierung der User sogenannte Mixe verwendet, aber jene waren einzig und allein in Deutschland und so konnten Nutzer identifiziert werden, indem man einfach alle Serverdaten beschlagnahmte.

Folgende Bestandteile hat Jondonym:

Zitat www.jondonym.de:

Mixe:Anonymisierende Zwischenstationen (Proxies), welche die Datenströme der einzelnen Nutzer verschlüsseln, vermischen und weiterleiten

Mixkaskaden: Ketten von Mixen verschiedener und unabhängiger Betreiber. Sie bestehen typischerweise aus drei Mixen: einem ersten Mix (IN), der die Nutzeranfragen entgegennimmt, einem mittleren Mix (MIDDLE), der nur Datenverkehr an andere (Nachbar-)Mixe weiterleitet, und einem letzten Mix(OUT), der die eigentlichen Anfragen an Internetressourcen stellt.

InfoService: Ein separater Dienst, der Metainformationen über die verfügbaren Mixe bzw. Mixkaskaden, Nutzerzahlen auf den jeweiligen Mix-Kaskaden und deren Auslastung bereitstellt.

JonDo: Auf den Nutzerrechner installiertes Clientprogramm. Es dient primär zum Aufbau verschlüssselter Verbindungen zu Mixkaskaden. Die Benutzer werden JonDonauten genannt (in Analogie zu Astronauten).

Es soll eine dezentrale Infrastruktur, bei diesem Anonymisierungsdienst geben, d.h. einige Server sollen sich im Ausland befinden. Bei rechtzeitiger Löschung der Verbindungsdaten sollte so möglich sein vollkommen anonymisiert zu surfen. Das Produkt wird beworben mit “Wir sind bereit - Die Vorratsdatenspeicherung kann kommen”. Hört sich irgendwie an nach “Na kommt doch, bei uns bekommt ihr keine Daten”. Ob das der richtige Weg ist halte ich für fraglich.

Vieleicht kommt die Regierung so eher auf den Trichter Anonymisierungstools zu verbieten.

Einen Status der Anonymisierungsserver gibt es hier

Links:

Gulli

Weltenbrand


5 Responses to “Jondonym: Neue Alternative zu Tor?”

  1. 1 allo

    Ich würde nichts mit zentralem Anbieter trauen. Tor da logged zwar jede Exitnode (potentiell) den Plaintext mit. Aber bei Jondonym bestimmt ein Anbieter evntl. meine Route.

  2. 2 Rolf

    Danke für den Bericht! Wir waren auf der Webseite diesmal absichtlich etwas provokant, weil uns diese kurzsichtige Gesetzgebung hinsichtlich Vorratsdatenspeicherung wirklich aufgeregt hat. Und sollte man die Software wirklich mal verbieten, machen wir aus dem Ausland weiter. Wir hoffen aber immer noch, dass es in Deutschland niemals so weit kommt.

    P.S. für den Kommentarschreiber: Eines der Hauptsicherheitsmerkmale unseres Dienstes ist gerade die Verteilung von Vertrauen: kein einzelner Serverbetreiber kann die Nutzer beobachten. Denn auf einen zentralen Dienstanbieter zu setzen ist tatsächlich Unsinn. Die Route kann bei JonDonym zwischen verschieden (festen) Kaskaden ausgewählt werden. Im Unterscheid zu anderen Diensten sind deren Betreiber zertifiziert und damit identifiziert.

  3. 3 KRiZZi

    Interessant zu diesem Thema ist auch der Beitrag eines Bekannten in seinem Forum: http://forum.opensky.cc/viewtopic.php?t=278

    Dort wird neben JAP/JonDonym auch eine mögliche Alternative zu ‘von uns bekommt ihr keine Daten’ vorgestellt, nämlich ‘von uns bekommt ihr viele Daten’ :D

  4. 4 Simon

    Warum muss es überhaupt zentrale Server (auch wenn sie meinetwegen zertifiziert sind) geben?
    Wäre es nicht viel praktischer ein echtes P2P Netz aufzubauen, wie es zB Emule mit dem KAD Netzwerk macht? Dort war ja auch das Problem, das die zentralen Server öffters beschlagnahmt und ausgewertet wurden (oder zumindest abgeschaltet).
    Wenn es aber keinen zentralen Knoten gibt, kann man auch nichts abschalten. Zudem würde sich die Last auf das ganze Netzwerk verteilen und nicht nur über die Server laufen. Alle Teilnehmer haben den identischen Client, der sich einfach alle 10 min. eine X-beliebige Route über 4-5 andere Teilnehmer sucht. Als “Exit-Client” könnte also jeder der Teilnehmer mal agieren.
    Ich bin sicherlich nicht der erste, der diesen Gedanken hat. Also, wo ist der Haken?

  5. 5 Rolf

    Da gibt es mehrere Haken bzw. Missverständnisse

    1) Nicht jeder will ein Ausgangsknoten sein. Denn dann bekäme man des Öftern Anfragen und Besuche von der Polizei. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht im Netzwerk.
    2) Da jeder ungeprüft teilnehmen kann, liegt andererseits eine erhöhte Motivation vor, Ausgangsknoten zu betreiben, um Zugangsdaten auszuspähen (eine andere Vergütung gibt es ja nicht).
    3) Die Performance nähert sich schnell einem kritischen, unteren Bereich an, da ein solcher Dienst kostenlos ist, und damit hemmungslos von Filesharern und Downloadern “missbraucht” wird, ohne Rücksicht auf andere, die die Anonymität vielleicht notwendiger hätten, oder einfach nur ungestört surfen wollen.
    4) JonDonym funktioniert auch ohne zentrale Server. Es können sehr viele Server abgeschaltet werden, und das System läuft trotzdem weiter.
    5) Beschlagnahmte/abgeschaltete Server werden von deren Betreibern meist nach kurzer Zeit ersetzt, da diese mit dem System Geld verdienen wollen. Und das bekommen Sie nur, wenn Ihre Server laufen.

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