Interview Vorratsdatenspeicherung

Heute interviewte ich einen Freund und stellte ihm Fragen rund um das Thema Vorratsdatenspeicherung. Lasse:

Sebastian, wusstest du, dass am 01.01.2008 die geplante Vorratsdatenspeicherung in Kraft tritt?
Sebastian:
Ja, obwohl es ja noch nicht zu 100 % feststeht, ob die Vorratsdatenspeicherung wirklich in Kraft tritt. Aber es scheint sehr wahrscheinlich.
Lasse:
Glaubst du, dass die Vorratsdatenspeicherung ein schwerwiegender Eingriff in sowohl deine Privatsphäre, als auch die deiner Mitbürger ist?
Sebastian:
Ich beziehe die Vorratsdatenspeicherung jetzt mal persönlich auf mich. Da ich mich recht viel im Internet bewege und auch hauptsächlich über Dienste wie EMail, Festnetz und Handy (sowohl telefonisch als auch per SMS) kommuniziere, werde ich sehr stark in meiner Privatsphäre eingeschränkt. Man könnte jederzeit nachvollziehen, wann ich wem eine Email geschrieben habe. So könnten die vielen Emailverteilen von Organisationen, in denen ich eingetragen bin, gleich gewisse Vorurteile über mich erzeugen, gegen die ich mich zuerst gar nicht wehren kann. Viele dieser Organisationen werden vom Staat her eher “verachtet”, da sie stören. Gleichzeitig wird auch gespeichert, wann ich mit wem telefoniert habe. Dadurch, dass ich das Handy vor allem im beruflichen Umfeld nutze, könnte man ein richtiges Bewegungsprofil von mir speichern. Solche Probleme werden sich bei fast allen ergeben. Leider denken viele gar nicht über dieses Problem nach. Das ist auch einer der Gründe, warum die Vorratsdatenspeicherung sehr wahrscheinlich in Kraft treten wird.
Lasse:
Hältst du es im Sinne der Terrorbekämpfung für gerechtfertigt, dass deine Kommunikationsdaten für 6 Monate gespeichert werden sollen?
Sebastian:
Ich halte es für weniger sinnvoll. Machen wir uns doch nichts vor. Die meisten Terroristen sind sehr intelligent und werden genau auf ihr Vorhaben ausgebildet. Sie kennen sich mit den technischen Möglichkeiten zur Anonymisierung und Verschlüsselung von anfallenden Daten bestens aus. Sie können sich einfach in einem offenen WLAN einklinken und von dort ihre Kommunikation tätigen. Durch ständig wechselnde EMailprovider, die sich vorzugsweise im Ausland befinden, wo die Datenspeicherung nicht zur Debatte steht, haben sie wenig zu befürchten.
Lasse:
Hast von dem Vorhaben der Bundesregierung gehört, dass 52 weitere Staaten Zugriff auf deutsche Vorratsdaten haben sollen?
Sebastian:
Ich habe davon gehört und war sofort entsetzt, obwohl es mir schon fast klar war. Dieses Vorhaben macht die Datenspeicherung noch viel gefährlicher, als sie eh schon ist. Früher oder später wird niemand, vor allem nicht der Bürger selbst, wissen, wo sich seine Daten momentan befinden. Niemand weiß, ob seine Daten nicht schon in einem “Unrechtsstaat” zur Erstellung jeglicher Pläne, was auch immer das sein könnte, genutzt wird. Außerdem bin ich der Meinung, wie auch schon auf deiner Homepage steht, das damit die maximale Aufbewahrung von sechs Monaten ausgehebelt wird. Trotz dieser und vieler Nachteile, halte ich es trotzdem für wahrscheinlich, dass der Gesetzesentwurf Anfang November nicht gestoppt wird.
Lasse:
Hast du davon gehört, dass es Demonstrationen gegen die Vorratsdatenspeicherung gegeben hat und geben wird?
Sebastian:
Da ich, wie oben schon erwähnt, viele Mailinglisten und Webseiten besuche, die das Thema Vorratsdatenspeicherung zum Thema haben, wusste ich etwas von der Demo. Durch die normale Presse, konnte man leider nicht allzu viel darüber erfahren, Falls doch etwas gezeigt wurde, waren die Fakten völlig untertrieben und unsachlich. Zum Beispiel wurden in den Medien von Besucherzahlen zwischen 3000 und 5000 berichtet. Tatsächlich waren es, nach Zählungen der Polizei und der Veranstalter, rund 15000 Personen. Ich halte es für richtig, noch einmal zu demonstrieren, da die Veranstalter jetzt dazu gelernt haben. Außerdem habe ich davon gehört, dass es bei der ersten Demo teilweise organisatorische Probleme gab, die jetzt verhindert werden könnten, um mehr Medienpräsenz zu erreichen.
Danke an Sebastian W. für dieses aufschlussreiche Interview.

Links:

Interview mit Ingo Wolf

Interview mit Patrick Breyer


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