Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität

Mein Tutorial über Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität.

Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität

Einleitung:
Soziale Netzwerke im Internet sind immer mehr im kommen. Die US-Plattform Facebook hat schon jetzt mehr als 30 Millionen Mitglieder. Beim Konkurrenten StudiVZ sind weltweit immerhin schon 2,9 Millionen User angemeldet. Seit kurzem gibt es StudiVZ auch auf polnisch, spanisch, französisch und italienisch. Jeder User kann sich hier frei entfalten, indem er ein Profil anlegt und Informationen über sich wie etwa Hobbys, Ausbildung und Kontaktdaten hinterlegt. Er kann eine Freundesliste führen und mit anderen Usern in Kontakt treten, Bilder hochladen, tratschen. Es existieren seit kurzem Ableger von StudiVZ wie nurstudenten.de , unister.de und pruefungsgeil.de.
Ähnliche Portale wie SchuelerVZ.de schießen aus dem Boden, andere wie AzubiVZ sind geplant.

Viele Internetneulinge sehen es als völlig normal an, sämtliche private Daten und Fotos von sich zu veröffentlichen. Die Euphorie darüber, dass es solche Portale gibt, auf denen man sich mit seinen Freunden austauschen kann überwiegt oft dem Misstrauen gegenüber den Portalen. Dass dort noch viel mehr Leute als Freunde und andere Ottonormal-User mitlesen ist vielen oft gar nicht bewusst. Viele können sich gar nicht vorstellen, dass Arbeitgeber, Freund/in oder Familie mitlesen können und so Informationen über sie erhalten, die sie ins schlechte Licht stellen. Der Grund des fehlenden Misstrauens ist meist, dass sich viele im Internet anonym vorkommen und somit Sachen über sich preisgeben, die sie sonst eher für sich behalten würden.

Die Community im Internet wird oft als so eine Art 2. Welt empfunden. Nur bestimmte Leute (Freundeskreis) sollen hier lesen was man von sich preis gibt. Es ist nicht erwünscht, dass Besucher aus der 1. Welt (Familie, Kollegen, Arbeitgeber) das Profil von einem besuchen. Aus dem schon genannten Grund, dass man im Internet in der geglaubten Anonymität etwas freizügiger ist. Es ist immer einfacher Dinge zu schreiben, anstatt sie jemandem zu sagen und demjenigen dabei ins Gesicht zu sehen.

Die Bewerbung
Hier ein Beispiel dafür, wie es zum Nachteil werden kann sich im Internet der ganzen Welt zu präsentieren:
50 Personen bewerben sich um einen Job. Der Job beinhaltet Personalverantwortung und Zugriff auf geheime, firmeninterne Dokumente. 30 dieser Bewerber sind auf dem Portal www.studivz.de wiederzufinden. Die stellenaussschreibende Firma beauftragt 2 Personaler das Internet nach Informationen über die Bewerber zu durchforsten und wird somit prompt fündig.

Auf vielen sozialen Netzwerken gibt es Gruppen bzw. Bereiche, die von Gleichgesinnten aufgesucht werden. Wer stellt schon jemanden ein, der in einer Gruppe namens “gegen kurzhaarige Frauen” ist? Da Personalverantwortung auch heisst nicht gleich bestimmte Eigenschaften von Personen negativ abzuwerten, wäre der Bewerber schon mal aus der Auswahl raus. Ein zweiter hat vieleicht die besten Noten und einen sehr guten Abschluss, gibt aber sehr viele Details über sich Preis und läd wirklich jedes Partyfoto hoch. Was würde wohl der angehende Chef dazu sagen? Warum sollte man jemandem, der noch nichtmal mit seinen eigenen Daten sorgfältig umgeht, Verantwortung im Sinne von geheimen Informationen über die Firma übertragen?
Warum sollte der zukünftige Ausbildungsbetrieb nicht einmal einen schnellen Blick auf das Portal www.schuelervz.net werfen, bevor er den Azubi einstellt, wenn es doch alles so einfach ist? Mit ein wenig Glück findet der potentielle Arbeitgeber so schnell negative bzw. unerwünschte Eigenschaften, die eine Einstellung unmöglich machen.
Natürlich weiss man nicht genau wer ein Auge auf Profile auf bestimmten Seiten wirft. Auch weiss man nicht, ob es den zukünftigen Arbeitgeber überhaupt kümmert. Vieleicht ist es vielen Arbeitgebern wirklich egal, was ihre Angestellten im Netz treiben. Aber ist es doch so einfach mit ein paar Mausklicks und Eingaben Informationen über jemanden zu erlangen, die noch vor 10 Jahren niemals zu bekommen wären. Warum sollten die Arbeitgeber dieses neue, einfache, aber sehr effiziente Auswahlmedium nicht nutzen? Es ist einfach und kostet nichts.

Niemand würde eine Absage verschicken in der “aufgrund ihres Profiles…” steht. So kommt es, dass die betroffenen Leute nie mitbekommen und auch nie mitbekommen werden, warum Sie abgelehnt wurden.
Viele sagen “Die Firmen würden sich niemals die Mühe machen” oder “Ich habe nichts zu verbergen”. In vielen Fällen entspricht das sogar der Wahrheit. Je begehrter und besser der Job, desto mehr tun Personalchefs um die Besten zu bekommen? Für mich klingt das logisch.

Weil eine Oxford-Studentin ausgelassen feierte wurde ihr eine Strafe von ihrer Uni aufgebrummt. Da die Universität Oxford eher das Image einer koservativen Eliteuni verkörpert verbot sie ihren Studenten sich derart daneben zu benehmen. Beim Ausfindigmachen der Übeltäter wurde das Studentenportal Facebook seitens der Uni durchsucht. Prompt machte man 14 Störenfriede ausfindig.
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,494962,00.html

In Amerika gibt es viele Fälle wo zumeist weibliche Studenten nicht nur im Web sondern auch in der realen Welt belästigt werden. Man stelle sich vor “Auf einmal taucht vor der Haustür eine Person mit einem Geschenk auf, wirres Zeug redent, die den Eindruck macht dich fast besser zu kennen als du dich selbst”. In Amerika ist dies längst Realität geworden. Für Stalker sind solche Sozialen Netzwerke im Web ein gefundenes Fressen. Schließlich ist alles so einfach.

Was kann man tun, um zu vermeiden, dass unerwünschte Besucher Informationen über einen erhalten, die nicht für Sie bestimmt sind?

Möglichkeit 1: Man gibt nicht alle persönlichen Daten von sich preis, tritt nur vertretbaren Gruppen bei und versucht auch sonst sich im Web bzw. auf Plattformen relativ normal zu verhalten, also nicht anders als im wirklichen Leben.
Möglichkeit 2: Aufgrund der Gefahr, dass bestimmte Personen Informationen über einen erfahren unterlässt man die Anmeldung in einem solchen Portal.
Möglichkeit 3: Man bewegt sich auf einem solchen Portal vollkommen anonym bzw, nur ein kleiner Kreis von engen Freunden kennt die wahre Identität.

Die letzte Option wäre, dass man einfach nicht darauf achtet, ob unerwünschte Besucher auf das Profil kommen und nachforschen, sprich ganz normal weiter über die Stränge schlägt.

Wie könnte es in 20 Jahren aussehen? “Da sie kein StudiVZ Profil haben gehen wir davon aus, dass sie gesellschaftlich nicht richtig integriert sind…” Riesengroßer Schwachsinn oder eventuell Zukunftsmusik?

Datensammler:
Der Trend zum Datensammeln ist da. Studenten des MIT-College haben es vor gemacht. Ihnen gelang es mithilfe eines Skriptes 70.000 Facebook-Profile herunterzuladen. Am 9. Dezember 2006 ist es jemandem gelungen 1.074.574 StudiVZ-Profile herunterzuladen und anschließend zu analysieren. Die daraus resultierenden Statistiken sind hier http://studivz.irgendwo.org/ aufgeführt.
Es kursieren Gerüchte, dass Firmen komplette Portale mitsamt aller Profile herunterladen und an andere Firmen verkaufen. Für wen könnten solche Informationen wertvoll sein? Rein praktisch gesehen könnte fast jede Firma daraus nutzen ziehen. Sei es aufgrund von Bewerberanalyse oder schlicht und einfach die Suche nach qualifiziertem Personal.
Auch ich sehe in meinen Log-Dateien, dass es neuerdings viele Bots gibt,die meine Webseite besuchen und wirklich jede Datei, jedes Bild und jedes Wort herunterladen. Vor ein paar Jahren gab es hin und wieder einen Bot der vorbei schaute und neue Inhalte suchte.
Jeder kann euer Profil abspeichern und in 20 Jahren mit dem Finger auf euch zeigen!

Identitätsdiebstahl:
Jemand möchte auf dem Rechner eine Bekannten von euch einen Trojaner installieren. Da heutzutage die meisten PCs gut gesichert sind entscheidet er sich dafür, eure Identität zu klauen, damit der Identitätsdieb sich als “euch” vor eurem Freund ausgeben kann. So hat der Identitätsdieb das Vertrauen des Opfers, da das Opfer glaubt mit einer vertrauten Person zu kommunizieren. Das Opfer nimmt so ahnungslos die nfizierte Datei entgegen. Manchmal reicht sogar der Besuch einer Internetseite.Natürlich wäre es für den Täter sehr mühselig das Vertrauen des Opfers zu erlangen. Geht es aber um viel Geld(Phishing) ist das schon wieder ein Aufwand, der sich lohnt.

Visionen:
Wir schreiben das Jahr 2027. Google hat nun eine Tochterfirma namens Global Personal, die für andere Firmen die Personalauswahl übernimmt. Grundlage für die Recherchen sind über 200 Millionen Profile in sozialen Netzwerken wie Xing, StudiVZ, Facebook, Studylounge, sowie zahlreiche Daten, die aus Suchmaschinen wie Google erlangt werden. Auf dieser Grundlage wird den Recherchierenden alles offengelegt, sie haben eine riesige Menge an Daten für fast jede Person.
Die Recherchierenden sind keine Menschen, sondern zunächst Google Bots. Sie suchen nach Keywords im Zusammenhang mit dem Bewerbernamen, aus denen man negative Eigenschaften schließen kann. So wird schon vorab eine Vorauswahl getroffen.
Großer Unfug? Hätte ich 1987 gesagt, dass heutzutage jeder ein Handy hat wäre ich vieleicht ausgelacht worden. Man sollte nie etwas von vornherein ausschließen…

Fazit:
Wer diesen Text gelesen hat weiss spätestens jetzt, dass man sich keineswegs in sozialen Netzwerken im Internet daneben benehmen sollte, sondern vielmehr darauf achten sollte was man von sich preis gibt. Viele wissen nicht, dass jegliche Kommunikation gespeichert wird und Jahre danach Probleme bereiten kann. Das Problem der Datenspeicherung ist neu, wir sind die Generation, die 2027 davon betroffen sein könnte. 1987 gab es das Internet in der derzeitigen Form noch nicht.

2 Responses to “Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität”

  1. […] herausfinden, die dazu führen, dass die Personen nicht angestellt werden. Dies wird hier auf diesem Blog thematisiert. Durch die Personen-Metasuchmaschinen wie Spock.com, wink.com, 123people.com, […]

  2. […] S. 205 Weblinks zu zu Datenschutzbeauftragter Hessen zum Umgang mit personenbezogenen DatenPersonenbezogene Daten in Sozialen Netzwerken im InternetWann, wie und warum werden bei der Nutzung des Internet personenbezogene Daten erhoben und wie kann […]

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