Motorola zieht aus Flensburg ab

Motorola zieht aus Flensburg ab. “Wir sind kein Logistik-Unternehmen; wir haben uns deshalb entschlossen, die Logistik-Aktivitäten für Europa an einen externen Dienstleister auszulagern”, sagte Ralf Gerbershagen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Motorola GmbH.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen reiste in die USA, um dort die davon Geschäftsführung zu überzeugen den Standort Flensburg nicht zu schließen. Leider vergebens. In den besten Zeiten waren hier über 3000 Mitarbeiter beschäftigt, nun sind es nur noch 700. Seit dem jahr 1994 wurde der Handy-Hersteller mit 26 Millionen Euro subventioniert.Eine Chronologie gibts hierFür alle Nicht-Norddeutschen: Flensburg hat ca. 86.000 Einwohner und somit ist der Verlust von 700 Arbeitsplätzen ein Desaster. Ungefähr halb soviele Arbeitsplätze sollen nochmal bei Zuliefer-Firmen wegfallen.
Auch ich habe eine kurze Zeit, vor dem Wehrdienst bei dieser Firma gearbeitet. Schon allein die Architektur des Gebäudes verit, dass dies ein durchorganisiertes US-Unternehmen sein musste.
“Jetzt wollen wir uns erstmal kennenlernen. Ich bin…”. Das waren die ersten Worte meines Vorgesetzen(gescheiterter BWL-Student) an meinem 1. Arbeitstag. Kurz darauf ging es dann auch zur Linie. Man kann sagen, dass 90% der Arbeitnehmer eher langweilige und sich wiederholende Tätigkeiten verrichteten.
AN1: Presste Karton
AN2: Beförderte Anleitungen in den Karton
AN3: Schmiss Tasche in den Karton
AN4: Tat zu guter Letzt das Handy in den KartonAuch kann man sagen, dass sich diese Tätigkeit ca. 2500-3500 mal wiederholte. Man wechselte natürlich die Plätze. Wie ihr seht eine recht langweilige und stupide Tätigkeit(ohne jetzt jemandem zu nahe treten zu wollen, habe es ja selbst gemacht). Trotz alledem ist diese Arbeit für Studenten bzw. Leute, die sich zwischen Schule und Ausbildung/Studium bzw. zwischen Zivi/bund und Ausbildung/Studium befinden geradezu perfekt.
Es gab einen Zähler, der zählte, wieviele Handykartons man pro Schicht packte. Eine Schicht dauerte meist 12 Stunden. Es gab unterschiedlich starke Linien. Ich war in eine sehr starken Linie, die ca. 4000 Handy pro Schicht schaffte.
Die Linie gegenüber war von jungen Studentinnen besetzt, die ca. 1400 Stück pro Schicht schafften. Als jene mir erzählten, dass sie ihr Verdienst sich auf das Doppelte belief graute es mir.

einfach Mobilfunk

Es gab tatsächlich Leute in meiner Linie, die von dem Gedanken fasziniert waren noch mehr Handys pro Schicht zu schaffen. Einige strebten die 5000 an.
Ich fragte mich, woher dieser Ehrgeiz kam. Je schneller ich arbeite, desto reicher werden zwar die Firmenbosse, aber nicht ich.
Möglicherweise dachten sie sich “Wenn ich hier schon knüppel, dann richtig!!!” So eine Art Masochismus :)

26 Millionen Euro Subventionen sind eine Menge Geld. Dieses Beispiel belegt mal wieder wieviel Macht große Firmen haben. Firmenbosse scheinen mehr Macht zu haben als Landespolitiker.
Nehmen und gehen. Der einzige Gewinner ist wohl Motorola. Warum Vorwürfe? Firmen arbeiten nunmal gewinnorientiert. Was denken sich die Politiker denn? Soll das Unternehmen Konkurs anmelden, nur damit in Flensburg Arbeitsplätze erhalten bleiben? Traurig ist es, aber solche Dinge passieren.
Ich frage mich was der gescheiterte BWL-Student heute so macht… .

Eigentlich schreibe ich in diesem Blog nicht Offtopic, aufgrund der Ausfälle und des Domainproviderwechsels wollte ich ausnahmsweise etwas über ein regionales Thema schreiben.

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